Teil 10 Die Lage in Europa
Im Jahre 1722 trug die Sizilische Marine der Eroberung Südindiens und der dadurch gestiegenen Anforderung an die Schiffe Rechnung und begann, die als Truppentransporter obsolet gewordenen Flyten und Kauffahrer durch East Indiamen zu ersetzen. In der neuen Kavallerieschule lernten die Reiter, mehr auf das blanke Schwert zu vertrauen, als die eher ineffektiven Reiterpistolen zu benutzen (Arme Blache Kavallerie).
Als im Jahre 1723 Dokumente aufgefunden wurden, die Sizilien Ansprüche auf die Provinz Bern zugestanden, stellte Maria II ein Ultimatum, um ohne Blutvergießen die wichtigen Alpenübergänge unter sizilische Kontrolle zu bringen, wohl wissend, daß Österreich mit den Schweizern verbündet war. Auch Baden beschloß, die siegreiche Fahne Siziliens zu verlassen, um seiner Rolle als Kaiser gerecht zu werden. Schnell war Bern erobert (annektiert 1723) und die badischen und habsburgischen Festungen belagert. Besondere Verdienst fielen dabei den böhmischen Verbündeten Marias zu, die den Norden Österreichs kontrollierten. 1725 unterwarf sich der Herrscher von Baden als Vasall der sizilischen Krone.
Österreichs König wurde nach der Unterwerfung Badens von der Mehrheit der verbleibenden Kurfuersten zum neuen Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gewählt. Dies erzürnte Maria, die sich selbst schon im Purpurmantel gesehen hatte. Im Wiener Vertrag mußte Österreich die Gebiete Württemberg, Lienz und Kärnten abtreten.
Im Jahre 1726 wurde eine neue Weltkarte angefertigt, die besonders das mächtige Königreich Sizilien und seine Kolonien zeigte:
Die folgenden Jahre sahen einen großangelegten, aber weitgehend gescheiterten Versuch Siziliens, die französischen Südprovinzen durch Anstachelung von nationalitischen Aufständen zu unabhänigen Kleinkönigreichen zu machen. Lediglich Toulouse gelang es, sich unabhänig zu machen.
Eine wichtiger neuer Flottenstützpunkt wurde 1728 auf Sachalin gegründet, um als Ausgangspunkt für die Kolonialisierung von Kamtschatka und der Ostsibirischen Küste zu dienen. Noch während die Kolonialisten auf dem Weg waren, kam es zu einem Zwischenfall in den Sizilisch-Indischen Kronkolonien. Der amtierende Krongoverneur sah keinen anderen Weg als Dekkan den Krieg zu erklären. Marias Truppen wurden nominell von Orleans, Portugal und Böhmen unterstützt, auch wenn kein einzelner Soldat dieser Länder in den Kampfgebieten auftauchte. Tatkräftiger waren dagegen Dekkans Alliierte, die Mamelucken in Ägypten, Algerien, Khoresan und nicht zuletzt das Ottomanische Reich.
Der langwierige Kampf unter südlicher Sonne sollte sich für die Monarchin auszahlen: 1730 gaben die Ottomanen die südgriechischen Provinzen Morea, Athen und Achea unter sizilische Herrschaft und verzicheten auf Ansprüche auf Janina und Larissa.
Gut gelaunt schloß die Heeresleitung einen Separatfrieden mit den Mamelucken unter Wiederherstellung des Status quo ab.
Algier allerdings mußte die Norafrikabesitzungen Palermos um Sirt, Tripolitania und Gabes erweitern.
Zuletzt mußte Dekkan kleinbeigeben, und drei Provinzen dem sizilischen Statthalter in Indien übertragen.
Während der Kriegsjahre wurden die ersten mächtigen Dreidecker in den italienischen Häfen auf Kiel gelegt, die in späteren Dekaden den Stolz der sizilsichen Marine und den Schrecken aller feindlichen Flotten werden sollten.
Immer noch im Jahr 1731, als die letzten Reste der Gefechte in Indien beseitigt wurden und langsam Ruhe im neuorganisierten Vizekönigreich Griechenland einkehrte, brach Unruhe in der französischen Region aus. Maria wurde von Toulouse, dem vor wenigen Jahren die Unabhängigkeit garantiert worden war, und vom sizilischen Verbündeten Orleans um Unterstützung angefleht. Ironischerweise waren die beiden Staaten im Krieg gegeneinander, und kein Historiker hat herausgefunden, warum Maria sich nach längerem Zögern entschloß, Toulouse zu unterstützen. Kurze Zeit später starb Maria, ohne die ersehnte Kaiserkrone in Besitz genommen zu haben. Auf dem Thorn folgte ihr Neffe Francesco I, der lediglich ein mittelmäßiges militärisches Geschick hatte.
Wie dem auch sei, die sizilischen Korps erreichten Toulouse erst, nachdem die Stadt gefallen und die Lande von Guyenne vasalliert worden waren. Guyenne und das verbündete Orleans stellten keinen Gegner für die schlachterprobten Sizilianer dar. Um die Ruhe in der Region sicher zu stellen und Frankreich zu verärgern verlangte Francesco die Bekehrung der Regierung von Guyenne zum katholischen Glauben sowie die Unterwerfung als Vasall der sizilischen Krone. Orleans mußte den Vasallen Toulouse in die Freiheit entlassen und ebenfalls dem König Vasallentreue geloben.
Die Erfahrungen dieses kleinen Krieges mündeten in die Entwicklung stärkerer Festungen.
Eine Volkszählung im Jahr 1735 kam zu dem Ergebnis, daß die umbrische Bevölkerung nur noch einen marginalen Teil der Gesamtbevölkerung darstellten. Die umbrische Sprache und Kultur wurden daher als nicht mehr am Hofe toleriert eingestuft.
In den folgenden Jahrzehnten ging der König seinen militärischen Spielereien nach und began eine Reihe von Kriegen gegen die Nachbarn in Europa.
1736 traf es Dänemark, das nach dem ersten Kriegsjahr seine Verbündeten Kastillien und Krimea verlor, die von Sizilien jeweils Einstellung der Kampfhandlungen ohne Zahlung von Reparationen zugestanden bekam. Krimea, weil es fernab von jeglicher Interessenssphäre Siziliens lag, und Kastillien, um die Überseegebiete des Vasallen Portugal nicht zu gefährden. Dänemark hingegen wurde von den königlich-sizilischen Regimentern überrannt und weite Gebiete besetzt.
Bevor jedoch Friedensverhandlungen begonnen werden konnten, erklärte der polnische Gesandte in Palermo, daß sein König die sizilischen Aggressionen nicht hinnehmen werde und dem Krieg beitreten wuerde. In einem Treppenwitz der Geschichte trat das ottomanische Reich auf Seite Polens in die Kampfhandlungen ein.
Der Generalstab schloß im folgenden Jahr 1740 einen Friedensvertrag mit Dänemark ab, in dem Schwaben und Konstanz an Sizilien übergeben wurden.
Dies geschah, um die sizilischen Heerhaufen nach Polen und auf den Balkan senden zu können. Die Ottomanen, die Zeichen der Zeit erkennend, stellten die Kampfhandlungen kurze Zeit später ein, und im Frieden von 1741 erweiterte Polens Wiedergutmachung (die Provinzen Ragusa und Albanien) die Besitzungen Palermos auf dem Balkan.
1746 wurde die Armee in neuen Taktiken gedrillt und neue, aggressivere Angriffe geübt (Blue Coat Infantry). Spätere Historiker sahen dies als einen der Gründe für den nächsten sizilischen Krieg gegen Dänemark, der König hatte genug von Paraden und wollte seine neue Infanterie in der Schlacht bewundern. Sobald die Manöver abgeschlossen waren, wurde die Kriegserklärung in Kopenhagen überreicht und die Marschkolonnen rückten in die deutschen Gebiete Dänemarks vor. Kastillien und Aragon und ebenso Krimea folgten dem dänischen Ruf zu Waffen, während auf sizilischer Seite Portugal und Böhmen mitkämpften. Diesmal war die Kolonialarmee in Mittelamerika besser vorbereitet und rückte gegen die Spanischen Gebiete vor, waehrend Kontingente aus Kalifornien die portugiesischen Besitzungen verteidigten.
1748 gab Kastillien zum ersten Mal in der Geschichte eine Provinz in der Neuen Welt an Sizilien ab, das stechmückenverseuchte Mosquito, während Aragon einen Weißen Frieden bekam. Im folgenden Jahr kapitulierte dann Dänemark und trat Franken, Ansbach, Salzburg und München ab.
Eine Kriegserklärung Yemens in diesen Jahren wurde in Palermo als Witz belächelt und Yemen und seine Verbündeten mußten ihre Wüstenprovinzen vorerst behalten.
1750 wurde die Artillerie entscheidend verbessert (Royal Mortar) und sobald die Truppe sich ein wenig vorbereitet hatte, wurde wieder einmal das Königreich Polen angegriffen. Sizilien und Portugal kämpften gegen eine Allianz bestehend aus Kastillien, Aragon und dem kleinen Ungarn unter Fuehrung Polens. Kriegserklärungen Algiers und Persiens wurden als unwichtig abgetan, während wieder einmal die Neue Welt als Kampfschauplatz wichtig war. Schon im nächsten Jahr gab Kastillien Tarasco in Mexico an Sizilien, während Portugal mit der Rückgabe der Algarve belohnt wurde.
Aragon gab mit Chanchan und Caracas zwei südamerikanische Provinzen als Wiedergutmachung.
1753 kapitulierte Polen und Sizilien schaffte mit der Annexion von Zeta, Hum, Serbien und Kosovo eine durchgänige Landverbindung an der Adriatischen Küste bis hinab nach Griechenland.
(Screenshot verlorengegangen, tut mir leid!)
Persien und Algerien akzeptierten einen Friedensschluß unter Beibehaltung des Status quo.
Sizilien war in einer Position der Staerke, die großen europäischen Mächte hatten in den letzten Jahrzehnten Kriege und Gebiete an Sizilien verloren und der König in Palermo mußte sich nun entscheiden, ob er lieber Europa dominieren oder die Überseegebiete erweitern oder vielleicht im Alter friedlich werden sollte.