Wie man expandiert ohne Frankreich aufzuschrecken: Willem III 1675-1706
Eine schwere Last lag damit auf den Schultern des neuen Königs. Umgeben von wachsenden feindlichen Mächten und politisch weitgehend isoliert mußten die Niederlande einen Weg zum Überleben finden.
Der beste Weg erschien Willem III die Expansion nach Osten, ins Deutsche Reich, dessen Kaiser zu dieser Zeit der fast landlose Herrscher von Ansbach war.
Folgerichtig besetzten niederländische Truppen noch im gleichen Jahr Münster, das im Jahr 1676 in die Niederlande integriert wurden. Der ohnmächtige Kaiser konnte nur tatenlos zuschauen. Ein diplomatischer Schlag ins Gesicht war aber, daß weder Schottland noch Dänemark dem Ruf zu den Waffen folgte.
Die wankelmütigen Dänen ersuchten im Jahr 1677 ein erneutes Waffenbündnis mit Willem, das dieser nach reiflichem Nachdenken auch einging. Brandenburg wurde, nach einer Heirat zwischen den königlichen Familien im Jahr 1680 in das Bündnis aufgenommen, das aber bald wieder unter anderweitigen Bündnisverpflichtungen Brandenburgs zerbrach. Ein Krieg Dänemarks mit Schweden im Jahr 1681 verlief auch ohne größere Hilfe von Willems Truppen siegreich für Dänemark.
Eine neue Weltkarte, die vor allem auch die Gebietserweiterungen der Niederlande in den Kolonialgebieten Nordamerikas und des Fernen Ostens zeigen sollte, wurde anno domini 1684 vorgestellt.
Die folgenden Jahre wurden im Geheimen Rat, der regelmäßig nicht in Amsterdam, dem eigentlichen Verwaltungszentrum, sondern im Jagdschloß des Königs in Den Haag tagte, über die strategische Lage und die Möglichkeiten diskutiert, die sich daraus ergaben. Die großen niederländischen Überseegebiete verlangten eine große Flotte, und die norddeutschen Küstengebiete, kürzlich vom erstarkenden Polen erobert, wären eine lohnenswerte Erweiterung gewesen. Polen war allerdings mit dem großen, ungeliebten und gefürchteten Nachbarn im Südwesten, Frankreich, verbündet, was dem niederländischen Generalstab zahlreiche schlaflose Nächte bescherte.
1686, ganze 10 Jahre nach der Einnahme Münsters, erfuhr Willem, daß Polen die Unabhängigkeit Magdeburgs garantiert hatte und hatte hiermit eine Möglichkeit gefunden, einen Krieg mit Polen ohne Eingreifen Frankreichs zu provozieren. Im gleichen Jahr sah sich Willem mit seinem Bündnispartner Dänemark in einem Konflikt mit Magdeburg und seinen Verbündeten Ansbach, Hessen, der Schweiz sowie Polen.
Schweden nutze im darauffolgenden Jahr die Abwesenheit dänisher Truppen im gemeinsamen Grenzgebiet und fiel in Dänemark ein, was aber im Großen und Ganzen nur einen Nebenkriegsschauplatz darstellte. Als erstes Land mußte Hessen sich geschlagen geben und zahlte eine ansehnliche Kriegsentschädigung in Gold. Magdeburg wurde 1688 Vasall, nahm die reformierte Religion der Niederlande an und zahlte einen Beitrag zu den weiteren Kriegskosten gegen Polen.
Polen wurde indessen durch interne Revolten und das Vordringen niederländischer Truppen in Einheit mit der Blockade der Ostseeküste durch Flottenaus Seeland und Holland so unter Druck gesetzt, daß es im Jahr des Herrn 1689 Bremen und Holstein an die Niederlande abgab und Pommern in die Unabhängigkeit entließ.
Wenige Monate später, nach der Unabhängigkeitserklärung Braunschweigs, schien die polnische Macht in Norddeutschland weitgehen gebrochen. Willem III hatte einen Ausgleich für den Verlust Valenciennes gefunden und die Gefahr eines Zweifrontenkrieges verringert.
Der erfolgreiche Krieg gegen einen übermächtigen Gegner überzeugte die Schotten, ein erneutes Bündnis mit den Niederlanden zu schließen. Ab 1692 nahm die staatliche Förderung der Malerei, Bildhauerei, der Musik und anderen Künsten, finanziert von den Handelseinnahmen und Profiten aus den Kolonien, so stark zu, daß das Ansehen des Reiches ständig wuchs. Dieses gesteigerte Prestige überzeugte schließlich auch den Kaiser des Heiligen Römischen Reiches dem König der Niederlande die Würde eines Kurfürsten zu verleihen.
Die darauffolgenden Jahre sahen Dispute über den Grenzverlauf zwischen englischen und niederländischen Besitzungen westlich der großen Seen in Nordamerika. 1696, nach Verstärkung der Kriegsflotte durch neue Schwere Fregatten, sah Willem sich stark genug, diese Streitigkeiten militärisch auszutragen, zumal England und seine Bündnispartner in weitere Kriege verwickelt waren. Die Niederlande, Dänemark und Schottland sahen sich einem kriegsmüden Spanien, England sowie Portugal und dem mächtigen Österreich gegenüber. Der Kriegserklärung folgten schwere und für beide Seiten verlustreiche Kämpfe in Nordamerika, und der Einfall der Schotten und Niederländischer Regimenter in Nordengland. Spanien entsandte Heere durch Frankreich in die wallonischen und flämischen Gebiete, wo sie aber von den besser geführten und motivierten Truppen Willems geschlagen und häufig bis auf den letzten Mann aufgerieben wurden. Die Flotte traf, außer kleinen Gefechten mit zahlenmäßig weit unterlegenen englischen Flotillien, auf keinerlei Widerstand. Nebenbei kam es erneut zu einem kurzen, ereignislosen dänisch-schwedischen Krieg.
Die Flottenüberlegenheit der Holländer zeigte sich nicht nur in Europa, sondern auch in Indonesien und Australien, wo wenige Regimenter aufgrund besserer Mobilität die isolierten portugiesischen Truppen zur Aufgabe zwangen und Kolonien und Städte der portugiesischen Krone systematisch belagerten und eroberten. 1699 stimmte Portugal schließlich einem Friedensangebot Willems zu und verzichtete auf alle Gebiete an der Ostküste Australiens, darunter ertragreiche Goldminen.
In England hatten in harten Kämpfen Niederländer und Schotten die englischen Truppen geschlagen und Provinz um Provinz genommen, auch wenn sich einige starke Festungen, so zum Beispiel London, lange den Belagerungen widersetzten. 1700 mußte London jedoch kapitulieren und trat die umstrittene Provinz in Nordamerika an die Zeelandse Noordamerikacompagnie ab. Willem sicherte sich auch Northumberland und Yorkshire, um bessere Kontrolle über die Nordsee zu bekommen und den schottischen Alliierten Schutz gegen englische Übergriffe gewähren zu können.
Freiwerdende Truppen und Schiffe setzte der König zur Eroberung der spanischen Karibikinseln ein.
Österreich, letzter und anscheinend eher unwilliger Bündnispartner der Spanier, erklärten sich zu einem Frieden unter Herstellung des status quo mit Willem einverstanden. Mangels Kampfhandlungen war diese Herstellung nicht weiter schwierig. Kurze Zeit später, im fünften Jahr des Krieges, trat Spanien schließlich die Insel Haiti vollständig an die Niederländer ab.
Die Einnahme so vieler Provinzen hatte dem Ruf der Niederlande sehr geschadet, und Willem verbrachte die letzten Jahre seines Lebens mit dem Versuch das Mißtrauen der Nachbarn zu zerstreuen und die Früchte des Sieges zu genießen. Unter seiner Herrschaft war der Erbfeind Spanien geschlagen worden, Gebiete in Norddeutschland, England und Überssee erobert worden und die Kampfkraft der Flotten nachhaltig gesteigert worden. 1706 starb er, umgeben von einem trauernden Hofstaat, nachdem er die Krone an seinen Sohn weitergegeben hatte.