Nachtrag
Ich habe etwas Recherche betrieben bezüglich Sichelgaita, und sehe mich mehr denn je darin bestätigt, dass hier sehr viel homerische Dichtung eine Rolle spielt. Auch die Beschreibung der Dame selbst erinnert an die britische Boudicca, und ist damit eine Anspielung im römisch-griechischen Kosmos. Als Exempel beziehe ich mich auf diesen Quellentext, in Wikipedia ist allerdings ebenfalls eine Version zu finden. Es handelt sich um die englische Übersetzung von Dawes.
Hier steht etwas von einer Rüstung und dass sie ihren Mann auf dem Feldzug begleitet. Mehr nicht.
Ich vermute, die Szene, die hier eine Rolle spielt, ist jene:
Sichelgaita sitzt in ihrer Rüstung auf ihrem Pferd, neben dem Ehemann, der die Schlacht leitet (Dyrrhachion 1082), und jagt also den Männern mit erhobenem Speer nach, um sie zur Rückkehr zu motivieren. Ganz eindeutig kommt hier der Aspekt des antiken Epos zum Tragen, aber ich denke, das erschließt sich aus dem Text selbst.
Drei Dinge halte ich für ausführenswert.
a) Anna schreibt selbst, es seien "Gerüchte, um Geschichten" die diese Episode behandeln. Sie ist also als Geschichtsschreiberin selbst nicht davon überzeugt, sondern ist sich über den legendarischen Gehalt bewusst. Im Italienischen sagt man dazu: "Wenn es nicht wahr ist, so ist es dennoch gut getroffen".
b) Der Heerführer ist Robert. Von einer Beteiligung am Gefecht selbst ist definitiv nichts geschrieben. Vielmehr trägt Gaita die Rüstung wohl aus persönlichem Schutz. Sie steht ihrem Mann beim Geschehen bei, aber hier erkenne ich keinen möglichen Rückschluss auf Organisation oder Befehlsgewalt über das Heer. Sie begleitet Robert wohl vor allem deswegen, da die Truppen aus ihrem Land stammen, aber am Oberkommando ändert das wohl nichts.
c) Selbst wenn wir davon ausgehen, die Episode habe sich so ereignet, ist es keine militärische Aktion, sondern eine moralische gegen die eigenen Truppen, um diese zum Gefecht zurückzubeordern. Auch hier kein Argument, einen CKII Charakter zum Flankenführer oder gar zum Befehlshaber des Zentrums zu machen.
Alles in allem sehe ich damit den Fall (Sichel)Gaita als erledigt an.
Mehr über Sichelgaita in einem Aufsatz von Eads im JMMH.
Ich habe etwas Recherche betrieben bezüglich Sichelgaita, und sehe mich mehr denn je darin bestätigt, dass hier sehr viel homerische Dichtung eine Rolle spielt. Auch die Beschreibung der Dame selbst erinnert an die britische Boudicca, und ist damit eine Anspielung im römisch-griechischen Kosmos. Als Exempel beziehe ich mich auf diesen Quellentext, in Wikipedia ist allerdings ebenfalls eine Version zu finden. Es handelt sich um die englische Übersetzung von Dawes.
Alexiade, I 15
Leaving Salernum, he came to Hydruntum, and there spent a few days waiting for his wife, Gaita (for she too accompanied her husband, and when dressed in full armour the woman was a fearsome sight). After he had embraced her on arrival, he set off again with his whole army, and took possession of Brindisi, the seaport which has the best harbour in the whole of Iapygia.
Hier steht etwas von einer Rüstung und dass sie ihren Mann auf dem Feldzug begleitet. Mehr nicht.
Ich vermute, die Szene, die hier eine Rolle spielt, ist jene:
Alexiade, IV 6
Then after a little preliminary skirmishing on either side, as Robert was leisurely following his men, and the distance between the armies was by now fairly short, some infantry and cavalry belonging to Amicetas' phalanx dashed out and attacked the extremities of Nabites' line. These however, resisted the attack very stoutly, so the others turned their backs (since they were not all picked men), threw themselves into the sea, and up to their necks in water, made their way to the Roman and Venetian ships and begged them for protection, which they did not receive. And now, as rumour relates, directly Gaïta, Robert's wife (who was riding at his side and was a second Pallas, if not an Athene) saw these soldiers running away, she looked after them fiercely and in a very powerful voice called out to them in her own language an equivalent to Homer's words, " How far will ye flee ? Stand, and quit you like men! " And when she saw they continued to run, she grasped a long spear and at full gallop rushed after the fugitives; and on seeing this they recovered themselves and returned to the fight.
Sichelgaita sitzt in ihrer Rüstung auf ihrem Pferd, neben dem Ehemann, der die Schlacht leitet (Dyrrhachion 1082), und jagt also den Männern mit erhobenem Speer nach, um sie zur Rückkehr zu motivieren. Ganz eindeutig kommt hier der Aspekt des antiken Epos zum Tragen, aber ich denke, das erschließt sich aus dem Text selbst.
Drei Dinge halte ich für ausführenswert.
a) Anna schreibt selbst, es seien "Gerüchte, um Geschichten" die diese Episode behandeln. Sie ist also als Geschichtsschreiberin selbst nicht davon überzeugt, sondern ist sich über den legendarischen Gehalt bewusst. Im Italienischen sagt man dazu: "Wenn es nicht wahr ist, so ist es dennoch gut getroffen".
b) Der Heerführer ist Robert. Von einer Beteiligung am Gefecht selbst ist definitiv nichts geschrieben. Vielmehr trägt Gaita die Rüstung wohl aus persönlichem Schutz. Sie steht ihrem Mann beim Geschehen bei, aber hier erkenne ich keinen möglichen Rückschluss auf Organisation oder Befehlsgewalt über das Heer. Sie begleitet Robert wohl vor allem deswegen, da die Truppen aus ihrem Land stammen, aber am Oberkommando ändert das wohl nichts.
c) Selbst wenn wir davon ausgehen, die Episode habe sich so ereignet, ist es keine militärische Aktion, sondern eine moralische gegen die eigenen Truppen, um diese zum Gefecht zurückzubeordern. Auch hier kein Argument, einen CKII Charakter zum Flankenführer oder gar zum Befehlshaber des Zentrums zu machen.
Alles in allem sehe ich damit den Fall (Sichel)Gaita als erledigt an.
Mehr über Sichelgaita in einem Aufsatz von Eads im JMMH.
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