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Marco Dandolo

Serenissimo Leone
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Apr 12, 2008
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Nachtrag

Ich habe etwas Recherche betrieben bezüglich Sichelgaita, und sehe mich mehr denn je darin bestätigt, dass hier sehr viel homerische Dichtung eine Rolle spielt. Auch die Beschreibung der Dame selbst erinnert an die britische Boudicca, und ist damit eine Anspielung im römisch-griechischen Kosmos. Als Exempel beziehe ich mich auf diesen Quellentext, in Wikipedia ist allerdings ebenfalls eine Version zu finden. Es handelt sich um die englische Übersetzung von Dawes.

Alexiade, I 15

Leaving Salernum, he came to Hydruntum, and there spent a few days waiting for his wife, Gaita (for she too accompanied her husband, and when dressed in full armour the woman was a fearsome sight). After he had embraced her on arrival, he set off again with his whole army, and took possession of Brindisi, the seaport which has the best harbour in the whole of Iapygia.

Hier steht etwas von einer Rüstung und dass sie ihren Mann auf dem Feldzug begleitet. Mehr nicht.

Ich vermute, die Szene, die hier eine Rolle spielt, ist jene:

Alexiade, IV 6

Then after a little preliminary skirmishing on either side, as Robert was leisurely following his men, and the distance between the armies was by now fairly short, some infantry and cavalry belonging to Amicetas' phalanx dashed out and attacked the extremities of Nabites' line. These however, resisted the attack very stoutly, so the others turned their backs (since they were not all picked men), threw themselves into the sea, and up to their necks in water, made their way to the Roman and Venetian ships and begged them for protection, which they did not receive. And now, as rumour relates, directly Gaïta, Robert's wife (who was riding at his side and was a second Pallas, if not an Athene) saw these soldiers running away, she looked after them fiercely and in a very powerful voice called out to them in her own language an equivalent to Homer's words, " How far will ye flee ? Stand, and quit you like men! " And when she saw they continued to run, she grasped a long spear and at full gallop rushed after the fugitives; and on seeing this they recovered themselves and returned to the fight.

Sichelgaita sitzt in ihrer Rüstung auf ihrem Pferd, neben dem Ehemann, der die Schlacht leitet (Dyrrhachion 1082), und jagt also den Männern mit erhobenem Speer nach, um sie zur Rückkehr zu motivieren. Ganz eindeutig kommt hier der Aspekt des antiken Epos zum Tragen, aber ich denke, das erschließt sich aus dem Text selbst.
Drei Dinge halte ich für ausführenswert.

a) Anna schreibt selbst, es seien "Gerüchte, um Geschichten" die diese Episode behandeln. Sie ist also als Geschichtsschreiberin selbst nicht davon überzeugt, sondern ist sich über den legendarischen Gehalt bewusst. Im Italienischen sagt man dazu: "Wenn es nicht wahr ist, so ist es dennoch gut getroffen".
b) Der Heerführer ist Robert. Von einer Beteiligung am Gefecht selbst ist definitiv nichts geschrieben. Vielmehr trägt Gaita die Rüstung wohl aus persönlichem Schutz. Sie steht ihrem Mann beim Geschehen bei, aber hier erkenne ich keinen möglichen Rückschluss auf Organisation oder Befehlsgewalt über das Heer. Sie begleitet Robert wohl vor allem deswegen, da die Truppen aus ihrem Land stammen, aber am Oberkommando ändert das wohl nichts.
c) Selbst wenn wir davon ausgehen, die Episode habe sich so ereignet, ist es keine militärische Aktion, sondern eine moralische gegen die eigenen Truppen, um diese zum Gefecht zurückzubeordern. Auch hier kein Argument, einen CKII Charakter zum Flankenführer oder gar zum Befehlshaber des Zentrums zu machen.

Alles in allem sehe ich damit den Fall (Sichel)Gaita als erledigt an.

Mehr über Sichelgaita in einem Aufsatz von Eads im JMMH.
 
Last edited:

guitarspider

First Lieutenant
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Mar 21, 2012
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Juhuu, Quellenkritik. Dann mal los.

Dass im Text auf antike Mythen angespielt wird, hat überhaupt keine Aussagekraft bezüglich des Wahrheitsgehalts. Es geht hier vielmehr darum, dass der Leser leicht erkennen soll, wie er sich Sichelgaita vorzustellen hat. Das ist in etwa so, wie wenn der Bösewicht immer einen Schnurbart hat. Dass hier Kriegsgöttinnen zitiert werden lässt eher darauf schließen, dass Sichelgaita als kriegerische Frau empfunden wurde. Was das genau heißt ist dabei nicht klar solange man sich nur eine einzelne Stelle anschaut. Auch dass eine Mittelalterliche Chronik aus zweiter Hand zitiert heißt nicht viel. Die Wortwahl hier ist noch nicht ausreichend um auf Misstrauen gegenüber der Geschichte zu schließen.

Die Rüstung. Kann gerne für den persönlichen Schutz sein, aber sie darauf zu reduzieren ist etwas einfach. Eine Rüstung, wie jede andere Kleidung auch, hat auch eine symbolische Aussage. Dass Sichelgaita hier in Rüstung neben ihrem Mann reitet, heißt nicht, dass sie sinnlos herumsitzt und Däumchen dreht. Die Frage ist, warum ist sie überhaupt da, wenn sie sonst nutzlos ist? Um Robert privat bei Laune zu halten? Die Anwesenheit von Sichelgaita auf dem Schlachtfeld kann man vielmehr als Signal an das Heer verstehen. Robert und Sichelgaita versuchen hier schlicht, ihr Heer zu motivieren. Und da hast du auch schon deinen Rückschluss auf die Kommandoebene. Dass Sichelgaita kein Heer alleine anführen wird, wenn ihr Mann daneben steht und die Vasallen ihm Lehnstreue schuldig sind, das ist keine Beweis dafür, dass sie nicht beteiligt war. Konkretes haben wir nicht, aber dass sie überhaupt da war und dann in Rüstung, das ist nicht trivial.

Dein c) versteh ich nicht. Selbst wenn sie nur handelt, um die Männer zum umkehren zu bewegen, dann muss sie dafür immer noch eine Grundlage haben. Wäre sie im Heer einfach nicht beachtet als Befehlsinstanz, dann könnte sie umherhüpfen wie sie wollte und es würde nichts helfen.

Was kann man da jetzt rausziehen? Wenig konkretes, aber umso wichtiger ist es, nicht einfach die Quelle zu nehmen und damit Punkte zu beweisen. Wichtig ist nicht so sehr, was die Quelle im Detail sagt, sondern die Einstellung der Quelle gegenüber Sichelgaita.

Hast du den Aufsatz von Eads ganz gelesen?

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Nee, Flankenführer sind Schlachtenführer. Ihre Persönlichkeitstraits sind ausschlaggebend für viele der Taktik-Events: Sturmangriff, vorgetäuschter Rückzug und so. Das sind keine Organisatoren. Ob das jetzt der historischen Wahrheit entspricht ist eine andere Frage, aber im Spiel sind es definitiv Schlachtenführer.

Da bin ich anderer Meinung. :D Die Auswirkung der Traits ist eine Sache, aber die meisten haben wenig mit Taktik zu tun. Holy Warrior, der Organisatortrait, die Geländetraits, sogar der Verteidigertraits und der Experimentiertrait sind alle organisatorisch besser erklärbar als taktisch. Trotzdem hat ja niemand hier behauptet, dass alle Frauen auf einmal Heere leiten müssen.

Dass Frauen beispielsweise im wirtschaftlichen Bereich (der Fuggerfall ist hier gefallen) mit vorne standen, was das Handelswesen angeht, ist unbestritten. Das ist auch gar nicht anders möglich, wenn der genuesische Kaufmann jahrzehntelang im Ausland weilt, ob nun in Spanien, dem Maghreb, oder Orient. Die Frauen haben damals dennoch ihre Rolle gewahrt: den Hausstand führen. Und das war damals gleichbedeutend mit dem Geschäft. Man denke mal an die venezianischen Polos, die 20 Jahre in der Ferne waren. Ehefrauen, Schwestern und Mütter mussten dafür sorgen, dass Haus und Hof weiter bestanden, wenn sich die Männer in der Weltgeschichte herumtrieben. In der Hanse war es ähnlich. Das hat eigentlich gar nichts mit verklärtem Weltbild zu tun, aus Kaufmannssicht waren das ja auch "Hausfrauen" - von Kauffrauen auf Rundreise ist mir nichts bekannt. ;)

Das ist bedingt richtig, aber man muss auch wissen, dass es große Unterschiede gibt in der Organisationsform, die diese Händler wählten. Die Hanse war keine Firma mit Anteilseignern, wie allgemein die norddeutschen Händler keine großen Zusammenschlüsse gebildet haben. Deshalb war der einzelne Händler eben auf die Familie angewiesen und Frauen spielten eine größere Rolle. Im süddeutschen Raum dagegen gibt es Fugger, Welser, den Ravensburger Bund und noch so einiges mehr. In diesen Fällen kann sich ein Händler normalerweise auf ein eigenes Firmenmitglied verlassen, und die Frauen bleiben dann wie im Fall der Fugger eben außen vor. Das hat auch damit zu tun, dass sie sonst Anspruch auf Profitbeteiligung gehabt hätten. So haben die Fuggerfrauen eine einmalige Auszahlung erhalten und waren aus der Firma raus. Ein einzelner Händler kann sich sowas eben nicht leisten. Da spielen Geschlechterfragen sicher eine Rolle, aber wie ich oben gesagt habe, es geht immer auch darum, wie sich diese Ideen in der Realität ausdrücken (können).

Verklärung besteht heute eher daraus, auf Biegen und Brechen irgendwo eine Herrschaft der Frau abzuleiten, wo keine war.

Da hab ich jetzt ein Problem damit. Wenn man schon gleich ideologisch geladenen Begriffe wie Herrschaft auspackt, dann kommt man nirgendwohin. Es sollte schließlich darum gehen, die damaligen Verhältnisse möglichst gut zu verstehen, und nicht darum, sie ideologisch passfertig zu machen. Kann sein, dass deine Wortwahl reiner Zufall war, aber da sollte man etwas aufpassen.